Mittwoch, 9. Dezember 2020

Julia Sluiter // Immer wieder und doch nie gleich

Immer wieder und doch nie gleich

by Julia Sluiter

Ich mache mich auf den Weg. Es ist Abend und die Dunkelheit ist über den Ort gekommen. Leichter Nebel liegt in der Luft. Ich atme die winterliche Kälte ein, fühle sie an meinen Fingerspitzen. Kurz vor der Kirche bleibe ich noch einmal stehen, halte inne. Mitten im Alltag trete ich in die Kirche, um dem Advent einen Raum zu geben. Die nächste dreiviertel Stunde gehört mir, mir und Gott.

Ich trete ein. Der Kirchraum ist dunkler als ich ihn kenne. Mit der rechten Hand streiche ich über die alten Holzbänke. Suche mir einen Platz. Von dort blicke ich nach vorne in Richtung Altar. Ich blicke auf das Kreuz. Ich atme die Atmosphäre ein. Kerzenlicht. Stille. Mit mir sind weitere Menschen hier, wir alle sitzen schweigend an unserem Platz. Den meisten Menschen ist der Ort vertraut. Wir feiern gemeinsam eine Andacht. Wir hören gemeinsam Musik, wir beten gemeinsam, werden gemeinsam still – und doch jeder und jede für sich. Ich blicke wieder auf das Kreuz und schließe die Augen. Auf deine Ankunft Jesus warte ich – mitten im Advent bereite ich mich darauf vor, dass du, Gott, Mensch geworden bist.

Dieser Advent, der sich immer wiederholt und doch nie derselbe ist.

Ich mache mich wieder auf den Weg, den Duft der ausgebrannten Kerzen noch in der Nase. Ich gehe wieder durch die Dunkelheit, sie ist heller geworden. Das Licht der Straßenlaternen scheint mir ins Gesicht. Ich genieße den Gedanken: Bald wird Weihnachten sein. Ich brauche den Advent, um mich darauf vorzubereiten. Der Advent, der sich Jahr für Jahr wiederholt, aber doch nie derselbe ist.

Bild: jameslee / pixabay.de

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