Dienstag, 3. Dezember 2019

Dr. Lars Maskow // Hörst du auch, was du da hörst?

Hörst du auch, was du da hörst?

von Vikar Dr. Lars Maskow

Einst während des Weihnachtsfestes
gab ich mich Dir
einen Tag lang
ganz und gar hin.
Nur einen Tag darauf hingegen
gabst du gar mich
unberührt zurück.
Heuer hebe ich mich tränenlos auf
für den Besonderen.

Dein Biss – mir Furcht und Angst
Ich bleibe auf Distanz
Allein meinen Blick fängst du noch.
Sag, Liebling!
Erkennst du mich noch?
Ein Jahr ist dahin.
Meine Sendung verhüllt die Anschrift:
Ich liebe Dich. Amen!
Ich war ein lächerlicher Mensch,
weiß ich jetzt;
nur küsstest du mich jetzt,
um wieviel lächerlicher stünde ich da?

Müde Lider der Freunde
dämmern im Raum.
Ich weiche dem Frost deiner Seele.
Mein Gott,
mir war als könnte ich auf Dich harren.

Ich?

Ich war wohl allein
der Halt vor dem Sturz –
liebende Miene auf brennendem Herzen,
ein maskierter Mann.
Du reißt ihn entzwei.

Und nun
habe ich die echte Liebe gefunden
und werde kein Mal mehr
zu einem lächerlichen Menschen –
durch Dich!

Einst
nur vielleicht
in dem kommenden Jahr
gebe ich mein Herz –
dem Besonderen.

Haben Sie es erkannt? Sie hörten die deutsche Übertragung eines allseits bekannten und vielfach gespielten Weihnachtsongs. Das Lied, wurde der Legende nach von George Michael in nur einer halben Stunde gedichtet und feiert heute am 3. Dezember seinen 35-jährigen Geburtstag. Es trägt den Titel: Last Christmas. Viele Menschen, die ich kenne, halten das Lied für ganz und gar unweihnachtlich. Vor kurzem erst habe ich mich das erste Mal genauer mit damit befasst. Dabei fiel mir auf, dass darin durchaus etwas von dem Gefühl der biblischen Psalmen enthalten ist. In meiner Meditation über den Text habe ich nun in diesem Sinne eine sprachliche Aneignung versucht.

Es gibt in der Bibel einige Psalmen wie z. B. Psalm 13 oder Psalm 22 in denen ein Mensch Gott seinen tiefen Schmerz anvertraut. Und auch in dem Song wird so ein Schmerz besungen. In diesem Fall ist es Liebeskummer; der uns ja jedes Jahr aufs Neue als der Kummer des letzten Jahres zu Ohren kommt. Und die Klage darüber bringt der Sänger einem uns unbekannten Du als dem oder der Geliebten entgegen.

Für die Psalmen ist nun typisch, dass der Beter sich am Ende wie durch ein Wunder fröhlich und hoffnungsvoll an Gott wendet, dem er gerade zuvor noch sein Leid geklagt hat. Fast so als würde er bei allem Elend nicht anders als Können als auf die Zuwen-dung Gottes zu vertrauen. Und so ein bisschen von diesem Stimmungsumschwung höre ich auch in dem Lied von Wham. Hören Sie beim nächsten Mal doch noch einmal ganz bewusst hin. Vielleicht entdecken Sie ja jenseits der alten Leier ganz neue Facetten dieses Liedes und vielleicht kommt Ihnen auch die Hoffnung darauf, dass dieses Jahr nun jemand ganz Besonderes in Ihr Leben treten will, gar nicht mehr so unweihnachtlich vor.

Bild: Annie Spratt / unsplash.com

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