Montag, 23. Dezember 2019

Martin Pyrek // Geburtstage

Mein Patenkind hat am 23. Dezember Geburtstag. Eigentlich ein doofer Tag, um Geburtstag zu haben – finde ich. Doof für mich, um An- und Abreise zu organisieren, doppelt Geschenke zu kaufen. Ein weiterer Termin in dieser so termingefüllten Zeit.

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Ich selbst habe am 17. Dezember Geburtstag. Eigentlich ein toller Tag, um Geburtstag zu haben – finde ich. Es ergibt sich so ein schöner Feiertags-Rhythmus nach dem siebener Einmaleins: 17-24-31. Geburtstag, eine Woche später Weihnachten, eine weitere Woche später Silvester. Toll. Und nicht nur als Kind.

Heute nutzen meine Freunde und ich meinen Geburtstag oft als eine Art privater Weihnachtsfeier. Am Ende des Jahres kommen wir noch einmal zusammen, feiern meinen Geburtstag, verbringen noch einmal Zeit miteinander, lassen gemeinsam das Jahr Revue passieren wiederholen, was wir – an unterschiedlichen Orten, in unterschiedlichen Konstellationen – dieses Jahr miteinander hatten. Merken, spüren, was uns verbindet.

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Warum finde ich dann den Geburtstagstermin meines Patenkindes eigentlich doof gelegen?

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Der 23. Dezember ist mir seit ihrer Geburt zu einem Tag des schlechten Gewissens geworden. Weil ich es eben oft nicht schaffe. Den Aufwand nicht auf mich nehme. Nicht nehmen will?

Meine Scham darüber führte dazu, dass ich mich über mehrere Jahre gar nicht mehr getraut habe, überhaupt Kontakt aufzunehmen. Eine Spirale des Schweigens, die unsere Beziehung verhinderte.

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Letztes Jahr habe ich es dann geschafft. Ich war da. Am 23. Dezember. Und ich wurde wiedererkannt. Und am Abend eines vollen Tages mit Kindergeburtstag und Geschenken, als es ruhig im Haus wurde und wir auf dem Sofa saßen, kamen sie und ihre Bruder und wir alberten herum, kitzelten uns und am Ende kuschelten wir und saßen ganz ruhig und verbunden miteinander dort auf dem Sofa.

Von Schuld oder Scham keine Spur. Sondern Begegnung und Beziehung und gemeinsame Zeit und gemeinsame Erfahrung und Geschichte. Auch das heißt Advent, dass wir trotz unserer Schuld neu beginnen können.

Miteinander

Und mit Gott.

Bild: Adi Goldstein / Unsplash.com

 

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