Dienstag, 22. Dezember 2020

Caroline Duţescu // Ready for Boarding

Ich packe meinen Koffer. Ich packe meinen Koffer und, ja, und was nehme ich eigentlich mit? Die letzten Monate habe ich all die Dinge, all die Wesen, die ich so gern bei mir gehabt hätte, wieder ausgepackt. Habe mich entschlossen zu Hause zu bleiben, um niemandem zu nah zu kommen. Habe mich verschlossen, vor all dem, was ich so dringend gebraucht hätte. 

Und dennoch, was würde ich mitnehmen?

Ich will etwas in der Hand behalten, egal, wohin ich gehe. Aus der kreischenden Verstummung, hinein in welkes Flüstern.
Es ist spannend, was geschieht, wenn scheinbar nichts passiert.

Fast hätte ich‘s vergessen, dass es sie noch gibt. Die Stille, in der alles laut werden darf.
Ready for Boarding?

Bitte geh noch nicht, bleib noch ein wenig.
Ich warte schon lang.
Ist es dir warm genug?
Hörst du, wie der Zimt im Nelkenbad beginnt zu träumen? Das Flüstern farbiger Gewohnheit und schwarz-weißer Freude.
Es ist noch nicht so weit, bitte geh noch nicht.
Mein Koffer ist noch leer.

Fast hätte ich‘s vergessen, dass es sie noch gibt. Die Stille, in der alles laut werden darf.
Ready for Boarding?

So lang habe ich gewartet. Auf dein Wort.
Auf einen Blick in die Ewigkeit.
Die Zeit geht nie wieder fort.
Die Angst bleibt nicht mehr.

Fast hätte ich‘s vergessen, dass es sie noch gibt. Die Stille, in der alles laut werden darf.
Ready for Boarding.

Dann, wenn du da bist. Dann, wenn ich sein kann.
Ich packe meinen Koffer und nehme dich mit.

Bild: Sandra Grünewald / unsplash.com

 

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