Samstag, 21. Dezember 2019

Mark-Christian Krüger // Der Hobbit im Advent

Der Hobbit im Advent

von Vikar Mark-Christian Krüger

Wir haben die Tickets gekauft, haben unsere Plätze eingenommen. Es wird dunkel, der Film geht los und unsere Gespräche verstummen langsam. Ich sitze in meinem Kinosessel und nippe an meinem Bier. Ich bin hier mit meinen Freunden kurz vor Heiligabend. Zu Weihnachten sind wir alle wieder in der Heimat versammelt.  Wir haben uns verabredet, um den dritten Teil vom Hobbit, die Schlacht der fünf Heere, zu schauen. Seit Wochen schon habe ich mich darauf gefreut! Doch es ist auch einer dieser Blockbuster, in der Gewalt eine riesige Rolle spielt. Und das mitten im Advent! Schon seltsam, wo es in diesen Wochen doch eigentlich um etwas ganz anderes geht.

Ich frage mich warum Gott die Krippe gewählt hat und nicht das Schlachtross eines mächtigen Herrschers, warum die Wehrlosigkeit des Kindes anstatt der Wehrhaftigkeit der Hand, die das Schwert führt. Warum ist dieser Gott nicht so wie die Helden aus dem Hobbit, so wie Thorin oder Gandalf, stark und mächtig in der Schlacht. Ich frage mich, warum dieser Gott, dieser allmächtige vollkommene Gott, die Schwäche wählt, wo die Stärke doch so viel näher zu liegen scheint.

Doch das Kind, dieses Neugeborene trägt einen Neuanfang in sich, einen Neuanfang, der anders ist und sein soll, als alles was vorher war. Anders als die Hand, die das Schwert führt, anders als der Herrscher auf dem Schlachtross. Anders auch, als das was wir für stark und mächtig halten. Aus der Krippe dieses Kindes eröffnet sich eine neue Sichtweise auf die Menschen und die Welt. Eine Sichtweise, die uns Menschen eine Welt erschließen soll, in der Stärke nicht immer neue Stärke und Gewalt nicht immer neue Gewalt provoziert.

Schließlich geht der Film zuende, das Licht geht an, die gebannte Stille löst sich in munteres Geplauder auf. Die Meinungen über den Film gehen auseinander. Bilbo ist nach seinem Abenteuer mit den Zwergen ins Auenland, sein Zuhause zurückgekehrt, fast ein bisschen so wie wir zu Weihnachten alle nach Hause gekommen sind.

Meine Gedanken gehen noch einmal zurück zum Jesuskind in der Krippe. Zu diesem Kind, mit dem alles neu wird und das uns hoffen lässt.  Hoffen darauf, dass unsere Welt, irgendwann verwandelt wird, in die Welt, die dort in der Krippe ihren Anfang nahm. Das Kind in der Krippe, es ist eben kein Kriegsherr, sondern der Friedefürst.

Bild: Douglas Bagg / Unsplash.com

 

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