Dienstag, 1. Dezember 2020

Vikarin Anneke Kalbreyer // Warten auf den großen Tag

Da halte ich ihn wieder in meinen Händen. Rechtzeitig zum ersten Dezember. Schön anzusehen ist er – auch in diesem Jahr. Ob ich ihn behalten soll? Oder doch weiterverschenken? Ich kenne mich ja: Die ersten Tage ist er im Gebrauch und dann gerät er im Trubel des Alltags in Vergessenheit.

Als Kind war das anders. Da teilte ich ihn mir mit meinen Geschwistern und es war ein morgendliches Ritual, sich ihm zu nähern und erwartungsvoll darauf zu blicken und zu sehen, wie der große Tag immer näher rückte. Die Süßigkeit auf der Zunge machte das Warten erträglicher.

Warten auf den großen Tag, den wir jetzt vorbereiten. In diesem Jahr unter besonderen Bedingungen: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Draußen ist das Lüften garantiert. Lautsprecher beschallen Aschebahn und Rasenfläche. Das Gelände ist weitläufig, keine Eingangstür, nein, rechts und links der Tribüne zwei große Tore. Ideal für Massenbewegungen.

Warten auf den großen Tag: Advent, hochheilige Ankunft! Sorgsam vorbereitet! Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Da halte ich ihn wieder in meinen Händen. Vierundzwanzig Türen warten darauf, von mir geöffnet zu werden. Durchlässig wollen sie mich machen, empfangsbereit, Tag für Tag, bis zum großen Tag mit der größten Tür, die sich öffnet: Gottes Ankunft in unserer Welt!

 

Bild: Markus Spiske / unsplash.com

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