Dienstag, 15. Dezember 2020

Katharina López Acuña // Leuchtende Gesichter

Es ist eine stille Nacht, oben kleine Lampen, Sterne in Reihen angebracht. Sie werfen Licht auf die Straße. Schwach spiegelt sich ihr Glanz auf dem nassen Kopfsteinpflaster. Es nieselt. Dunkle Gestalten beeilen sich. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Glitzernde Lichterketten blinken hier und dort. Kinderaugen leuchten einen Moment auf, als sie den Kuscheltierberg im Schaufenster bestaunen. Eine Frau zerrt die Kleinen am Jackenärmel weiter. Immer wieder dieselbe Weihnachtsplaylist schallt schon seit Tagen aus einem Lautsprecher am Kaufhauseingang. Ein Mann geht raschen Schrittes um eine Ecke, stößt mit einer Frau zusammen. Seine Miene verfinstert sich, er grummelt in sich hinein. Sie blickt ihm verärgert nach. Um die Ecke, hundert Meter weiter eine Bushaltestelle. Leuchtende Smartphones werfen einen Schein auf die Gesichter. Diszipliniert, im Zwei-Meter-Abstand.

Eine Frau zieht ihren Mantel fester zu und den Kopf tiefer in den Schal um ihren Hals. In einem Fenster leuchtet eine Kerze in einem großen Glas. Ihr Flackern trifft auf das Gesicht einer älteren Dame, die hinausschaut.

Auf einmal steht ein junger Mann vor ihr, nah an der Scheibe. „Frohe Weihnachten“, ruft er: „Uns ist heute der Retter geboren!“ Ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Der Schein der Kerze umleuchtet beide. Winkend geht der junge Mann weiter und ist auch schon hinter der nächsten Ecke verschwunden. Aber das Lächeln bleibt auch auf dem Gesicht der älteren Dame zurück. „So muss es gewesen sein, als die Hirten die frohe Botschaft der Engel hörten und sie weitersagten“, denkt sie bei sich. „Dieses Licht wurde uns geschickt: Gott ist mit uns.“

Bild: Josh Boot / unsplash.com

Vikarin Katharina López Acuña

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