Samstag, 14. Dezember 2019

Sonja Sophie Brosig // Weihnachten in aller Welt – ein Blick nach Finnland

Weihnachten in aller Welt - ein Blick nach Finnland

von Sonja Sophie Brosig

Die Weihnachtszeit beginnt Anfang November. Zumindest in Finnland. Wenn die Tage kürzer werden. Wenn die Sonne immer seltener scheint. Wenn die Dunkelheit draußen länger und bedrückender wird. Wenn die Zeit der Winterdepressionen beginnt. Und die endlose Helligkeit des Sommers vergessen scheint. Dann rücken die Menschen zusammen. Sie treffen sich in Sälen, Restaurants und Gemeinschaftshäusern. Im strahlenden Licht der Kerzen und der ein oder anderen Neon-Röhre wird gefeiert. Pikkujoulu nennt sich das – kleine Weihnachten. Es ist die Zeit, um sich gemeinsam auf die Geburt Jesu einzustimmen. Ursprünglich nur das letzte Wochenende vor dem ersten Advent, erstreckt sie sich mittlerweile über den ganzen November und macht ihn zu einem Monat der Weihnachtsfeiern. In Firmen, in Schulen und Kindergärten, unter Freunden und in Kirchengemeinden, überall kommen die Leute zusammen. Kleine Lichtblicke in den langen dunklen Tagen. Glühwein, Früchtepunsch und Lebkuchen sind allgegenwärtig. Und natürlich darf auf keiner der Feiern eine große Schüssel mit Milchreis oder Grießbrei fehlen. Wer die darin versteckte Mandel findet, den erwartet Glück im kommenden Jahr.

Keine Weihnachtsfeier ist komplette ohne einen Besuch des Joulupukki. Des finnischen Weihnachtsmannes. Jedes Jahr verlässt der im November seine Heimat im hohen Norden Lapplands. Er bringt den Menschen kleine Geschenke, die ihnen die Wartezeit bis Weihnachten verkürzen.

Die Menschen singen gemeinsam Lieder. Stille Nacht erklingt auf Finnisch, Schwedisch und Englisch, gerne auch als Karaoke. Sie basteln Weihnachtsdekorationen. Sie führen sich gegenseitig Sketche und Theaterstücke vor. Finnische Weihnachtsmärchen. Oder die Geschichte über die Reise der drei Weisen. Und ihren Weg nach Betlehem. Bunt und laut geht es zu. Lachen dringt nach draußen in die kalten Nächte und lässt die Vorbeigehenden wissend schmunzeln.

Und dann im Dezember wird es ruhiger in Finnland. Die offiziellen Weihnachtsfeiern kommen zu einem Ende. Der Advent beginnt. Das gemeinsame Warten auf Weihnachten. Städte und Dörfer werden festlich geschmückt. In fast allen Fenstern erstrahlen Lichterbögen. Es ist die Zeit der besonderen Festtage. Allen voran der Unabhängigkeitstag am 6. Dezember. An ihm erstrahlen die Fenster im Kerzenschein hunderter, ja tausender Lichter. Nur wenige Tage später ziehen Prozessionen mit Kerzen durch die Orte. Es ist Lucia-Tag. Ein Fest des Lichtes, das aus dem benachbarten Schweden herübergeschwappt ist. Im Dezember sind die Tage am kürzesten. Gerade deswegen ist dieser Monat die Zeit der Lichter und Kerzen. Je kürzer die Tage werden, je näher Weihnachten rückt, desto heller wird es in den Häusern der Menschen. Und wenn man Glück hat, fällt der erste Schnee und macht mit seinem Glitzern der tiefsten Dunkelheit ein Ende.

Bild: ChristinaZetterberg / pixabay.de

 

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