Freitag, 11. Dezember 2020

Friederike Böhm // Frieden aus dem Ofen

Ich gehe wieder mal im Dunkeln nach Hause, den Mantel zugeknöpft und den Schal um den Hals geschlungen, die Schultern nach oben gezogen. Der Wind pfeift um die Ecken und zieht durch die Ritzen in die Winkel der alten Fachwerkhäuser, die hier dicht an dicht stehen, als wollten sie sich gegenseitig schützen und wärmen. Richtig ungemütlich ist es. Doch über dem Dorf liegt der Geruch von vielen Ofenfeuern. Mein Herz wird warm. Ich freue mich, auch gleich an meinem Kachelofen zu sitzen und mich aufzuwärmen.

Es ist ein wenig mühsam, das Feuer in Gang zu kriegen. Eine zarte Flamme braucht viel Zuwendung. Doch nach ein wenig Zeit fangen die Scheite an zu knacken und zu glühen. Auch dann schaue ich ab und zu nach dem Feuer. Wenn das Lodern nachlässt, ist es Zeit nachzulegen. Es beginnt warm zu werden in der Stube. Gemütlich. Dazu kommen dann noch ein paar helle Lichter im Fenster. Beim Entzünden des Teelichts auf der Fensterbank sehe ich: Auch in den Fenstern der anderen Häuser scheinen Lichter und in den Kaminen brennt ein wärmendes Feuer.

Beim Blick in die Flamme des alten Ofens komme ich zur Ruhe und werde fast schon selig. In mir beginnt ein Stück Frieden. Frieden mit mir. Frieden mit den anderen Menschen. Frieden mit der Welt. Diesen Frieden, den möchte ich mir bewahren, den möchte ich nach außen tragen und weitergeben.

Ich bin nicht allein mit dem Licht, das ich entzünde. Bei jedem Licht, das in der Dunkelheit leuchtet, beginnt für mich ein weiteres Stück Frieden. Frieden muss, wie eine Flamme, immer wieder neu entzündet und gepflegt werden. Und bei jedem Feuer, bei jedem Licht im Fenster, strahlt etwas davon in die Welt.

Bild: Matias T / unsplash.com

Vikarin Friederike Böhm

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