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Sonntag, 9. Dezember 2018

Werena Anders // Schnell zur Feuerwehr

Schnell zur Feuerwehr

von Vikarin Werena Anders

Wir sitzen gemütlich bei Kaffee und Kuchen beieinander, haben die Kerzen auf dem Adventskranz angezündet und überlegen gerade, was wir spielen wollen. Plötzlich piept der Pieper. Mein Mann, meine Geschwister und ich sind in der Freiwilligen Feuerwehr. Mein Bruder schaut nach: Feuer. Eine Garage brennt. Mein Mann ist schon halb aus der Tür. Mein anderer Bruder zieht sich Schuhe an. Ich setze mein Kind auf den Schoß meiner Mutter. Schnell rüber zur Feuerwehr.

Ich frage mich in solchen Situationen, ob der Pieper und mein Dienst bei der Feuerwehr der Besinnung und dem Beisammensein in der Adventszeit im Weg steht.

Darüber habe ich schon oft nachgedacht. Im Matthäusevangelium lese ich: Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand! Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Aber gleich wichtig ist ein zweites: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! (Mt 22,37-39)

Jesu fordert hier Dienst an Gott und Dienst an den Menschen. Wenn der Pieper geht, lasse ich und lassen auch meine Geschwister und mein Mann alles stehen und liegen und laufen zur Feuerwehr. Anderen Menschen zu helfen, gerade in Notsituationen, ist mir sehr wichtig.

Und die Besinnung im Advent geht nicht verloren. Im Gegenteil: ich erlebe die Zeit mit meiner Familie nach einem Einsatz noch intensiver. Meine Erfahrung ist: wer im Advent Gutes tut, braucht sich um die Gefährdung vom Advent keine Sorgen zu machen. Wer den Menschen dient, der dient damit auch Gott.

Also: Ich bin gerne bereit von allen besinnlichen und schönen Momenten mit meiner Familie weg zu gehen, um anderen Menschen zu helfen, mit einer Ausnahme: in die Kirche zum Gottesdienst, nehme ich meinen Pieper nie mit.

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