Seite auswählen

Samstag, 8. Dezember 2018

Urs Christian Mundt // Adventsüberdruss

Adventsüberdruss

von Vikar Urs Christian Mundt

Ungefähr dreißig Adventskalender habe ich in meinem Leben schon verbraucht. 720 Türchen, 720 Mal gespanntes Öffnen mit erwartbarem Schokoergebnis: ein Engelchen, eine Christbaumkugel, wenn’s hochkommt eine Sternschnuppe. Ich frage mich: Ist da nicht mehr drin? Ich fühle Adventsüberdruss. Der große französische Philosoph Albert Camus kannte das auch. Er schreibt:

„Manchmal stürzen die Kulissen ein. Aufstehen, Straßenbahn, vier Stunden Büro oder Fabrik, Essen, Straßenbahn, vier Stunden Arbeit, Essen, Schlafen, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, immer derselbe Rhythmus – das ist meist ein bequemer Weg. Eines Tages aber erhebt sich das ‹Warum›, und mit diesem Überdruss fängt alles an.“

So beschreibt Camus den Menschen, dem plötzlich aller Sinn entgleitet, den die Wiederholung müde und leer gemacht hat.

„Manchmal stürzen die Kulissen ein.“ Sommerurlaub, Spekulatius im Supermarkt, Herbststürme, Heizungsluft, St. Martin, kalter Regen, Zugehen auf Weihnachten mit gemischten Gefühlen, Nikolaus, Weihnachten, 2016, 2017, 2018, immer derselbe Rhythmus. Eines Tages aber erhebt sich das ‚Warum‘.

Und mit dieser Frage fängt alles an. Mit dem Advent, dem Kommen des Herrn in die Welt, rückt die Antwort näher. Er bricht sich die Bahn zu uns. Dafür müssen die Kulissen einstürzen.

Vikar Urs Christian Mundt

advent-e als Abo

Jeden Tag eine kleine Andacht

Mit dem Newsletter zu advent-e erhalten Sie die aktuelle Andacht aus dem Predigerseminar in Loccum direkt in Ihr E-Mail-Postfach

Pin It on Pinterest