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Donnerstag, 20. Dezember 2018

Friederike Giesecke von Bergh // Mein Bethlehem

Mein Bethlehem

von Vikarin Friederike Giesecke von Bergh

♫ Oh Bethlehem du kleine Stadt, wie stille liegst Du hier. ♫ –

Mein Bethlehem
Sooft habe ich dieses Lied schon gesungen. In meiner Vorstellung sehe ich ein Dörfchen, das friedlich schläft zwischen Wiesen und Weiden: Bethlehem. Schafe grasen. Hirten gehen mit ihren Hunden umher. Das Bethlehem meiner Sehnsüchte. Das Bethlehem voller Ruhe und Frieden, Geborgenheit und Licht.

Vor drei Jahren war ich da, in Bethlehem. Jetzt habe ich andere Bilder im Kopf. Mit dem Bus durch den Checkpoint auf die andere Seite der Mauer. Sobald ich aussteige, werde ich belagert von Menschen. „Here, here … Follow me … I help you …“ Ich will keine Hilfe und sehe mich um: Viele Gebäude ragen in die Höhe. Grau und dicht gebaut. Es ist wuselig, es ist laut. Neben den Straßen türmen sich Müllberge. Viele Touristenjäger bedrängen mich. Überall rasen Autos und Busse. Das wirkliche Bethlehem ist voller Unruhe und Unfriede, Kälte und Dunkelheit.

Ich brauche einen Moment die Diskrepanz zwischen dem Bethlehem meiner Sehnsüchte und dem wirklichen Bethlehem zusammen zu kriegen. Ich denke an die Verheißung beim Propheten Micha: Und Du Bethlehem Efrata … aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei … Und er wird der Friede sein. Das hilft mir den Anblick des wirklichen Bethlehems zu ertragen. Das Bethlehem vor mir ist ein Symbol für das Unfertige. Ein Symbol dafür, dass die Verheißung des ewigen Friedens noch nicht erfüllt ist. Doch die Verheißung bleibt.
Ich will Bethlehem nicht aufgeben. Ich möchte es behalten: das „kleine Bethlehem“ meiner Sehnsüchte. Ich will an der Verheißung festhalten, dass er kommt, der Friede.

Vikarin Friederike Giesecke von Bergh

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