Seite auswählen

Sonntag, 16. Dezember 2018

Dr. Ina Schaede // Heimat

„Oft fahre ich mit der Straßenbahn in die Gegend, in der ich früher gelebt habe.“ Es ist mir immer wieder passiert: Ich habe wirklich Menschen beneidet, die das gesagt haben.

Ihre Gegend, vielleicht das Haus, die Straße, der Spielplatz – alles ist noch da. Und mit etwas Glück blättern sie in ihrer Erinnerung wie in einem Fotobuch. Vielleicht taucht ja sogar so etwas wie das Gefühl von Heimat auf.

Die Gegend, in der ich früher gelebt habe, ist mit der Stra-ßenbahn nicht zu erreichen. Advent und Weihnachten? Fehlanzeige in der früheren Sowjetunion. Und mit dem Fehlen des Advents fehlen auch die Erinnerungen. Deshalb freue ich mich so, wenn ich mit meinen Lieben dann endlich, endlich „schlaf in himmlischer Ruh’“ im Weihnachtsgottesdienst schmettere. Unvergesslich!

Die Adventszeit lernte ich dann in Deutschland kennen: überall rot und grün in den Blumenläden. Unvergessen der Anisgeschmack des ersten Lebkuchens. Ja, es gibt ihn wirk-lich: genau diesen Lebkuchenrechteck aus meinem Mär-chenbuch – mit vielen Grüßen von Hensel und Gretel.

Ohne Advent wäre die Erinnerung blasser. Den Bildern fehl-ten das Rot und das Grün. In diesen Adventsgeschichten werde ich dann hinein gezogen in dieses Gefühl. Vielleicht ist „Heimat“ doch ein zu starkes Wort dafür. Wurzeln schla-gen, sich zugehörig fühlen und schließlich mittendrin sein: Tag für Tag, mitten im Advent.

Vikarin Dr. Ina Schaede

advent-e als Abo

Jeden Tag eine kleine Andacht

Mit dem Newsletter zu advent-e erhalten Sie die aktuelle Andacht aus dem Predigerseminar in Loccum direkt in Ihr E-Mail-Postfach

Pin It on Pinterest